1872 – Frederick Gruen

Frederick Gruen (1872-1945), Quelle: www.glashuetteuhren.de

Frederick Gruen (1872-1945) [a]

Am 15. April 1872 wurde Frederick Gustavus Gruen geboren. Der älteste Sohn von Dietrich und Pauline Gruen, der im deutschsprachigen Mutterhaus Fritz gerufen wurde, wurde schon früh auf seine Rolle als Stammhalter und späterer Geschäftsführer des Familienunternehmens vorbereitet. Bereits während seiner Schulferien arbeitete er im väterlichen Unternehmen, namentlich im Maschinenhaus und  der Schlosserei, also den Abteilungen, die keine Kenntnisse als Uhrmacher benötigten. Später durfte er auch beim Vergolden und Prägen aushelfen.[1]

Deutsche Uhrmacherschule Glashütte (ca. 1900), Quelle: www.glasheutteuhren.de

Deutsche Uhrmacherschule Glashütte (ca. 1900) [b]

Nach der Schulzeit schloss sich zunächst ein Maschinenbaustudium an der Universität von Cincinnati an. Anschließend, vom 1. Mai 1892 bis 31. Januar 1893[2] besuchte Frederick Gruen die renommierte "Deutsche Uhrmacherschule Glashütte". Da im Elternhaus von Frederick Gruen deutsch gesprochen wurde, bereitete ihm der Unterricht in deutscher Sprache keine Probleme.

Zurückgekehrt nach Amerika heuerte er bei der Columbus Watch Co.seines Vaters an, wo er die Arbeitsabläufe straffte und den Produktionsprozess umstrukturierte.  Zuvorderst nahm er sich der Abteilung an, die die Steine in die Uhren setzte, da dies der Engpass bei der Produktion war.

Als aber die ausbrechende Wirtschaftskrise, die unterfinanzierte junge Firma besonders in Bedrängnis brachte und Streitigkeiten mit den anderen Partnern auftraten, verließen Dietrich und Frederick Gruen die Columbus Watch Company. Frederick fand Arbeit als Uhrmacher in einer größeren Firma in Cincinnati, Ohio, wo er im Untergeschoss an einer Werkbank neben einer lauten Maschine arbeiten musste.

Gründungsfeier der Gruenschen-Uhrenfabrikation Gruen und Assmann 1894, v.l.n.r.: Frederick Gruen, Dietrich Gruen, Paul Assmann, Quelle: http://www.glashuetteuhren.de

Gründungsfeier der Gruenschen-Uhrenfabrikation Gruen und Assmann 1894, v.l.n.r.: Frederick Gruen, Dietrich Gruen, Paul Assmann [c]

Unzufrieden über die Arbeitsbedingungen nahm er den Zug nach Columbus/Ohio, wo er sich am Bahnhof mit seinem Vater traf und sie sich entschieden, eine neue Firma zu gründen. Im selben Jahr 1894 wurde die "D.Gruen & Son" ins Handelsregister eingetragen.[3]

Frederick Gruen reiste nach Deutschland, um sich mit dem Beirat der Glashütter Uhrmacherschule und Unternehmer Paul Assmann zu treffen. Dieser war Geschäftsführer und Sohn des Firmengründers der berühmten Firma  "J. Assmann Deutsche Anker-Uhren-Fabrik Glashütte i. Sa.". Gemeinsam gründeten sie 1894 die "Gruensche Uhrenfabrikation Gruen und Assmann". Während sich Dietrich Gruen um die Produktion in Amerika kümmerte, blieb Frederick Gruen in Deutschland und half bei der Konstruktion  eines Präzisions-Taschenuhrwerk nach Glashütter Qualitätsmaßstäben, bei dem auch das patentierte Sicherheitstriebwerk eingebaut wurde. Vor Ort überwachte er die Installation modernster amerikanischer Maschinen. Bis zur Flutkatastrophe 1897 wurden hier die Komponenten für die neuen Uhrwerke hergestellt. Auch in den Folgejahren bis etwa zur Jahrhundertwende wurde hier noch die Fertigmontage der Uhrwerke aus den vorhandenen Bauteilen durchgeführt.[4]

Frederick Gruen war aber nur zu Beginn der Produktion vor Ort in Glashütte. Später kümmerte er sich vor allem um den Aufbau eines Vertriebs- und Händlernetzes in den USA, da die junge Firma am Anfang noch wenig bekannt war und die lokalen Uhrmacher von der Qualität der neuen Uhren überzeugt werden mussten.

Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1911 übernahm Frederick Gruen das Amt des Geschäftsführer ("President") in sämtlichen Firmen der Gruppe und behielt dieses Amt inne, bis ins Jahr 1935, als er 63-jährig das Amt an den von außerhalb kommenden Benjamin S. Katz abgab und den Aufsichtsratsvorsitz ("Chairman of the Board") übernahm. 1940 gab er auch dieses Amt ab, blieb aber weiter Aufsichtsratsmitglied bis zu seinem Tod im Jahr 1945.

Frederick Gruen war verheiratet mit Mathilde Louise Fischer Gruen (28.12.1876/Cincinnati - 26.07.1943/Cincinnati)[5]. Sie hatten eine Tochter, Margareth (1910-1972)[6], die später als Grafikerin bekannt wurde und einen berühmten Facharzt für plastische Chirurgie, Dr. Jacob J. Longacre, heiratete. Mit ihm hatte Margareth Gruen Longacre zwei Söhne: Frederick Gruen Longacre (1948-2010), der kinderlos verstarb, und James Gruen Longacre mit den Kindern Christopher, Charles, Nathanael, Joshua und Carrie.[7]


[1] Schliesser, Paul, Gruen –The Art & Mystery of Watchmaking, 1998-2001, http://www.pixelp.com
[2] N.N.: www.watch-wiki.com, Gruen, Frederick Gustavuus, 19.10.2014
[3] Schliesser, Paul, Gruen –The Art & Mystery of Watchmaking, 1998-2001, http://www.pixelp.com
[4] N.N.: http://www.glashuetteuhren.de, „Gruensche Uhrenfabrikation Gruen und Assmann“ in Glashütte, 19.10.2014
[5] N.N.: http://www.findagrave.com/cgi-bin/fg.cgi?page=gr&GRid=78943770, 19.10.2014
[6] N.N.: http://www.archives.com/1940-census/margaret-longacre-oh-103503131, 19.10.2014
[7] n.N.: http://www.tristateobits.com/obituary/Frederick-Gruen-Longacre, 19.10.2014
[a], [b], [c]  N.N.: www.glashuetteuhren.de

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