1874 – Patentanmeldung

Sammelbild der Levi Strauss & Co., ca.1890; Quelle: Poe, Levi's celebrating the 185th birthday of founder Levi Strauss, 26.2.2014, http://www.freshnessmag.com

Sammelbild der Levi Strauss & Co., ca.1890; Quelle: Poe, Levi’s celebrating the 185th birthday of founder Levi Strauss, 26.2.2014, http://www.freshnessmag.com

Die ersten Jahre nach dem Bürgerkrieg, der 1865 endete, bescherten den Vereinigten Staaten einen nie zuvor gekannten Aufschwung. Die sogenannte zweite industrielle Revolution[1] wurde angeheizt durch den zunehmenden Einsatz von Dampfmaschinen. Diese wurden sowohl in der neu entstehenden Industrie als auch in Dampfbooten und Dampflokomotiven eingesetzt. Der Bau von Eisenbahnlinien quer durchs Land brachte Aufschwung und Arbeitsplätze in die bisher entlegensten Gegenden des Landes und erschloss diese Regionen für die boomende Wirtschaft. Alleine in den Jahren 1868 bis 1873 wurden 33.000 Meilen (53.000 km) Schienen in den USA verlegt.[2]

Viele der neuen Einwanderer brachten Fertigkeiten aus ihren Herkunftsländern mit, die sie in der neue Heimat umsetzen konnte. Befreit von den starren Regelungen, Traditionen und Konventionen des alten Kontinents und getrieben von der Aufbruchstimmung jener Jahre wurden Erfindungen gemacht und Firmen gegründet, die die Vereinigten Staaten wirtschaftlich an die Weltspitze führten und die zum Teil noch heute Bestand haben.

Wichtige Impulse setzten insbesondere auch die deutschen und deutschsprachigen Einwanderer. Nachfolgend seien hier nur einige beispielgebend erwähnt:[3]

  • Eberhard Anheuser (geb. 27.9.1806 in [Bad] Kreuznach/franz. besetzt, gest. 2.5.1880 in St. Louis, MO) und Adolphus Busch (geb. 10.7.1839 in [Mainz] Kastel/Hessen, gest. 10.10.1913 in Bad Schwalbch), Gründer der größten amerikanischen Brauerei Anheuser Busch, die heute Teil der weltgrößten Brauerei Anheuser Busch-InBev ist.
  • John Jacob Bausch (geb. 25.7.1830 in Groß-Süßen/Württemberg, gest. 14.2.1926 in Rochester, NY) und Henry Lomb (geb. 24.11.1828 in Burghaun/Hessen-Kassel, gest. am 13.6.1908 in Pittsford, NY), Gründer und Finanzier der Firma Bausch & Lomb, einem der wichtigsten Hersteller der optischen Industrie mit so bekannten Marken wie Ray-Ban.
  • Maximilian D. Berlitz (geb. 14.4.1852 in Mühringen/Württemberg, gest. 6.4.1921, in New York City, NY), Gründer der Berlitz Sprachschulen
  • Marcus Goldmann (geb. 9.12.1821 in Trappstadt/Bayern, gest. 20.7.1904 in Elberon, NJ), Gründer der weltweit tätigen Investmentbank Goldman-Sachs.
  • Meyer Guggenheim (geb. 1.2.1828 in Aargau/Schweiz, gest. 15.3.1905 in Lake Worth, FL ), Gründer eines seinerzeit führenden Bergbauunternehmens und Stammvater des Guggenheim-Clans, einer der einflussreichsten Familien der USA,  Vater von Solomon Robert Guggenheim, der die Guggenheim-Museen gründete.[4]
  • Carl Laemmle (geb. 17.1.1867 in Laupheim/Württemberg, gest. am 24.9.1839 in Los Angeles,CA), Gründer der Universal Pictures Co. und Gründervater von Hollywood.
  • Mayer Lehman (geb. 9.1.1830 in Rimpar, Bayern, gest. 21.6.1897 in New York City, NY), zusammen mit seinen Brüdern Henry und Emmanuel Gründer der US-Investmenbank Lehman Brothers, deren Zusammenbruch im Jahr 2008 die weltweite Finanzkrise auslöste bzw. verschärfte.
  • Ottmar Mergenthaler (geb. 11.5.1854 in Hachtel [Bad Mergentheim]/Württemberg, gest. 28.10.1899 in Baltimore, MD), Erfinder der Linotype Drucksatzmaschine, die vom späten 19. Jahrundert bis in die 1970er Jahre der Standard zum Druck von Zeitungen und Zeitschriften war, bevor sie von der Offsetdruckmaschine abgelöst wurde.[5]
  • Charles Pfizer (geb. 22.3.1824 in Ludwigsburg/Württemberg, gest. 19.10.1906 in Newport, RI), Gründer der nach ihm benannten multinationalen Pharmaziefirma, deren wohl bekanntestes Produkt heute Viagra ist.
  • Heinrich E. Steinway (geb. 22.2.1997 in Wolfshagen/Braunschweig, gest. 7.2.1871 in New York, NY), Gründer der Pianofabrik Steinway & Sons.
  • Levi Strauss (geb. 26.2.1829 in Buttenheim/Oberfranken, gest. 26.9.1902 in San Francisco, CA), Erfinder der Blue Jeans und Gründer der gleichnamigen Firma.

In diese stolze Reihe kann sicherlich auch der deutsche Auswanderer und Uhrmacher Dietrich Gruen gestellt werden.  Am 12. Juni 1874, reichte er in den USA unter der Nummer 157.913 ein Patent  ein, das wichtige Impulse in der neu entstehenden Uhrenindustrie setzte und das, wie bei vielen anderen Erfindern seiner Zeit auch,  Basis einer neuen Firmengründung werden sollte.

Patent des D. Gruen für einen Minuten-Sicherheitstrieb vom 22.12.1874; Quelle: United States Patent and Trademark Office, http://www.uspto.gov/ 9.6.2014

Patent des D. Gruen für einen Minuten-Sicherheitstrieb vom 22.12.1874; Quelle: United States Patent and Trademark Office, http://www.uspto.gov/ 9.6.2014

Dietrich Gruen hatte erkannt, dass ein großes Manko der durch Handaufzug betriebenen Uhren darin bestand, dass die Uhrfeder beim Aufziehen der Uhren brach und die darin enthaltene Kraft das fragile Räderwerk der Uhren zerstörte. Er entwickelte daher einen verbesserten Minuten-Sicherheitstrieb („Safety Pinion“), der bei einem Bruch der Zugfeder durch deren Rückschlag den Minutentrieb losschraubte und dadurch Bruchschäden am Räderwerk vermied.[6] Das Patent wurde noch im Jahr der Anmeldung, am 22. Dezember 1874 anerkannt und in die Patentrolle eingetragen.

Zwei Jahre nach der Patentanmeldung gründete Dietrich Gruen zusammen mit einem Partner die Columbus Watch Manufacturing Co. in Columbus, Ohio gegründet mit dem Ziel, das Patent gewinnbringend zu vermarkten. Die Firma importierte Schweizer Rohuhrwerke und baute sie entsprechend dem Patent von Dietrich Gruen um. Allen Uhrwerken der Columbus Watch Manufacturing Co. und der Columbus Watch Co. wurde ein Hinweis auf den „Safety Pinion“ eingeprägt.Selbst nach dem Weggang von Dietrich Gruen und der Neugründung als New Columbus Watch Co.  und bei den frühen Taschenuhren der späteren Gruen Watch Co. wurde dies beibehalten.

Die Patentanmeldung spielte für die späteren Firmen ein deart wichtige Rolle, dass das Jahr 1874 später als das Gründungsjahr der Gruen Watch Co. ausgegeben wurde, obwohl die tatsächliche Firmengründung erst 20 Jahre später erfolgte.


[1] NN: www.wikipedia.org, Second Industrial Revolution, 26.10.2013
[2] NN: www.wikipedia.org, Panic of 1873, 26.10.2013
[3] NN: http://immigrantentrepreneurship.org/, 15.9.2015
[4] NN: https://de.wikipedia.org/wiki/Meyer_Guggenheim, 15.9.2015
[5] NN: https://en.wikipedia.org/wiki/Linotype_machine, 15.9.2015
[6] NN: http://watch-wiki.org/, Safety Pinion / Minutenrad-Sicherheitstrieb, , 26.10.2013

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